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Frauen WT/Wir sind keine Opfer
  Das WingTsun-System für die Frau  
 

NICHT MIT UNS! WIR SIND KEINE OPFER!

Sabine Makrot 2.TG WingTsun wurde zum ersten BlitzDefence-Lehrgang für Frauen von Sifu Dirk Peffekoven, in die WingTsun-Schule Overath bei Köln, eingeladen. Sabine ist eine professionelle WingTsun Lehrerin und leitet in Kassel eine reine Frauen- und Mädchenschule. Damit die Qualität des Lehrgangs zu bestmöglichen Ergebnissen führte, bat sie um eine kleine Gruppe mit begrenzter Teilnehmeranzahl.

 
   
Veröffentlichter Text in der "Kampfkunst International - Ausgabe 5" von Sandra Thiery, WT-Schule Overath  
Der Tag begann damit, dass Sabine die Teilnehmerinnen des Frauen BlitzDefence-Lehrgangs über die statistischen Zahlen von Gewaltanwendungen gegenüber Frauen informierte. So wurde klar, dass nur ein geringer Teil der Übergriffe gegen Frauen von unbekannten Tätern ausging. Fast immer kannten sich Opfer und Täter; zum Beispiel der Nachbar von nebenan, eine neue Bekanntschaft oder Menschen aus dem Familien- oder Freundeskreis. Meist testen die Täter ihr Gegenüber auf Schwächen und Stärken und vergewissern sich, dass sie leichtes Spiel haben werden.  
  Wie alles im Leben beginnt eine Veränderung mit einem Gedanken.
Der Leitgedanke dieses Lehrgangs war: „Wir sind keine Opfer!“

Selbst Frauen die nicht auf ihre jahrelangen, eingeübten WT-Techniken zurückgreifen können, bekommen mit BlitzDefence für Frauen ein Konzept vermittelt, welches sie ungenießbar für jeden Aggressor werden lässt. So lernten die Frauen schon in der 1. Stunde, dass es auf die richtige Ausstrahlung ankommt. Sabine belegte mit Zahlen und Fakten, dass durch aktives Abwehrverhalten, egal in welcher Form, die Übeltäter, in den meisten Fällen von ihrem Vorhaben abgebracht wurden. Die halbe Miete ist schon im Vorfeld selbstbewusstes Auftreten, da der Täter kein Interesse auf Auseinandersetzung und Aufsehen hat, sondern unerkannt bleiben und sich nicht messen möchte.

Einer der Schwerpunkte im BlitzDefence für Frauen lag auch darin, dass der Angreifer eine völlig andere Motivation hat als der Angreifer bei einem Mann. Geht es bei Männern mehr um den Ritualkampf, in dem es darum geht, sich zu messen um sein Ego und Ansehen nicht zu verlieren; so wurde während dieses Lehrgangs klar, dass Frauen ganz anders ausgebildet werden müssen. Übergriffe auf Frauen beginnen in der Regel ganz anders als auf Männer, so dass die Gegentechniken sich auch von den normalen BlitzDefence Techniken unterscheiden. Da Frauen teilweise andere genetische Veranlagungen haben, gibt es Techniken, die sie besonders gut können und andere, die weniger von Vorteil sind. Wichtig ist hier nur, dass die überlegte und in dem Moment angebrachte Technik mit vollem Einsatz ausgeführt wird. Hierzu wurden einige realitätsnahe Pratschen-Übungen trainiert. Eine Visualisierung des Angriffs war in vielen Fällen ebenfalls sehr erfolgreich, da keine Pause aufgrund von Ohnmacht entstand.

Sabine erklärte, wo Selbstverteidigung anfängt. Es ist nicht nur die Technik und die Kraft einen Gegner außer Gefecht zu setzen, welche man benötigt. Vielmehr geht es darum, schon im Vorfeld die Körpersprache, Mimik und die Sprache so zu trainieren, dass unmissverständlich klar wird: Nicht mit mir! Um Gefahrensituationen zu erkennen und ihnen angemessen begegnen zu können, ist es wichtig, auf die innere Stimme zu hören und sich wieder mit ihr vertraut zu machen. Ausschlag gebend ist es vor allem dem eigenen Instinkt zu vertrauen. Es wurde darauf Wert gelegt, das richtige Gefühl zu entwickeln, welches durch die Mimik ausgedrückt wurde.

Das größte Problem lag darin, den Teilnehmerinnen ihr stetiges Streben nach Harmonie zu unterbrechen. Den Frauen viel es schwer ihrem Gegenüber ein einfaches NEIN! auf jede Forderung zu geben, ohne dies weiter zu begründen. Es wurde jedoch klar, dass jede Rechtfertigung unweigerlich zu einem Aufflammen des Gespräches führte. Der Grundstein hierfür liegt in der Erziehung. Da Mädchen dazu erzogen werden, freundlich, höflich und eben mädchenhaft zu sein, lernen Frauen schon in jungen Jahren solche Auseinandersetzungen nur mit Harmonie lösen zu wollen. Hier wurde eine klare Grenze gezogen. Die Teilnehmerinnen wurden angehalten, genauso wie das andere Geschlecht, ehrlich zu reagieren, um eine gewisse Distanz zu behalten und nicht missverstanden zu werden. Sobald ihre Toleranzgrenze überschritten wurde, wie zum Beispiel die Hand des Chefs auf dem Knie oder die Umarmung eines Betrunkenen, sollte dies sofort klar und deutlich durch ihre Reaktion zu erkennen sein. Hier kann man beginnen, viele von den Übungen, die während des Seminars gezeigt wurden, ins tägliche Leben einzubauen.

Es wurde über Hemmungen gesprochen „laut“ zu sein und das Frauen sich vor sich selbst erschrecken, da sie nicht gewohnt sind ihre Stimme mit starker Deutlichkeit und vor allem laut zu gebrauchen. Gerade dies ist jedoch wichtig, um eine Deeskalation zu vermeiden, da ein potentieller Angreifer in der Regel die Öffentlichkeit meidet. Grund genug die nächste Übung durchzuführen. In einem Rollenspiel musste eine Frau in Gedanken an einer Bushaltestelle stehen und dem Anderen zu allem was er fragte oder sagte, ohne Erklärungen, NEIN sagen. Egal, ob es die Uhrzeit ist oder um Hilfe gebeten wurde, immer NEIN. Keine von uns hatte es geschafft nur NEIN zu sagen. Jede erklärte ihr Verneinen und verstrickte sich so in Worte.

Es war schon sehr erstaunlich, wie schwer es fiel, ein einfaches klares NEIN zu sagen. Fazit: Wenn ich nicht will, sage ich NEIN! und ich bin keinem eine Erklärung schuldig, schon gar nicht, wenn ich ihn nicht kenne!

Dann kam unser Spiegelbild zur Sprache. Zwei Partner standen sich mit großem Abstand gegenüber. Die eine ging auf die andere bis zu dem Moment zu, bis diese durch Mimik verständlich machte, stehen zu bleiben. Wie ist unser Ausdruck, können wir hervorheben, so dass unser Gegenüber versteht, was wir meinen? Unser Spiegelbild sagte es uns! Die gleiche Übung wurde erprobt, aber jetzt kam die Sprache hinzu. Jede Teilnehmerin überlegte sich ihr Schlüsselwort wie
z. B. STOPP!, HALT! oder BLEIB STEHEN! und die Partnerin musste stehen bleiben, wenn das gemeinte Wirkung zeigte. Als dritte Variante wurde alles zusammengebaut: Mimik, Sprache, Gestik. Uns wurde klar, dass wir oft etwas meinen und wollen, aber unsere Mimik und Körpersprache es nicht verdeutlicht. Mit einem Lächeln sagen wir NEIN - Typisch Frau! Wie soll uns dann unser „Gegner“ verstehen, er sieht uns als das schwache Geschlecht.

Um die ganze Sache abzurunden, setzten wir uns in kleine Gruppen zusammen und erzählten uns unangenehme Situationen, in denen es uns schwer gefallen war, uns zum Ausdruck zu bringen. Anschließend spielten wir als gemeinsame Gruppe diese Sachlagen durch. Der ein oder andere Aha-Effekt kam dabei heraus und wir merkten, dass der Schlüssel zum Erfolg eine gesunde Portion Selbstbewusstsein ist und dass nicht die Kraft im Vordergrund steht, sondern die mentale und taktile Stärke.

Text: Sije Sandra Thiery 1. TG WT
ewto