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  Bewegung macht Klug    

Was hat Bewegung mit der Gehirnentwicklung zu tun?

Forschungsergebnisse weisen immer deutlicher darauf hin, dass Bewegung für alle anderen Hirnfunktionen maßgeblich ist, so auch für Gedächtnis, Emotionen, Sprache und Lernen.  Unsere höheren Hirnfunktionen haben sich aus der Bewegung heraus entwickelt. Sie werden durch Bewegung angeregt und sind nach wie vor von ihr abhängig.

Ein Säugling beginnt sich zu bewegen und lernt, die Bewegung nach und nach zu koordinieren. Er lernt den Kopf zu heben, sich zu drehen. Er robbt, krabbelt und später kann er aufrecht gehen. Diese Bewegungsentwicklung stimuliert zentrale Teile des Gehirns und so  entwickelt es sich. Die vielen Verbindungen / Verschaltungen zwischen den Nervenzellen werden immer mehr ausgebaut (werden komplexer), je mehr Reize zum Gehirn gelangen.

Verbindung zwischen den Hemisphären

Die beiden Hälften unseres Gehirns sind durch den sogenannten Balken (Corpus callosum) verbunden. Beide Körperseiten werden durch die gegenüberliegende Gehirnseite gesteuert. Die rechte Hand wird also durch den linken motorischen Kortex gesteuert.

Keine Angst vor Fremdworten. Motorisch bedeutet einfach: die Bewegung betreffend. Kortex heißt Rinde und gemeint ist damit die äußere Schicht des Gehirns.

Jede Gehirnhälfte (Hemisphäre) verarbeitet Informationen auf eine bestimmte Art. Vereinfacht ausgedrückt wird gesagt, dass die linke Gehirnhälfte für die Logik, das Analytische, das Rationale zuständig ist und die rechte Gehirnhälfte für Gestaltung, Denken in Bildern, Intuition und Kreativität. Es gibt auch Menschen, bei denen die Zuordnung genau umgekehrt ist – wobei es nichts damit zu tun hat, ob jemand Rechts- oder Linkshänder ist.

Das Gehirn

Der Balken dient als Verbindungsstraße zwischen den beiden Hälften. In unserer Gesellschaft wurde und wird das Logische, Rationale sehr hoch geschätzt. Unser Bildungssystem ist danach ausgelegt – und damit ist die linke Gehirnhälfte die, die trainiert und „angesehen“ ist.

Allmählich wird es offensichtlicher, dass man nur mit „Logik“ bald an Grenzen kommt und so nicht alle Probleme zu lösen sind. Sei es in der Werbung, bei Schulungen oder im (Krisen-) Management – wo auch immer wird nach kreativen und innovativen Lösungen gesucht - und die sind mit Rationalität nicht zu finden...

Für das flüssige Sprechen brauchen wir die Worte und die Satzstrukturen der linken und die Bilder, Emotionen und Dialektfärbungen der rechten (Gehirn)Hälfte. Erst das Einbeziehen beider Seiten macht flüssiges Lesen und Schreiben und auch tieferes Verständnis möglich.

Kreativität ist ein ganzheitlicher Prozess, für den die Technik und die Details aus der logischen Hälfte - und die Bilder, der Flow und die Emotionen aus der gestaltenden Hälfte nötig sind.

Je weiter die Hirnforschung sich entwickelte, um so deutlicher wurde es, dass das Gehirn bei den normalen Gedächtnis- und Verarbeitungsaufgaben an den unterschiedlichsten Stellen aktiviert wird und dass die verschiedenen Areale untereinander vernetzt sein müssen, um die Anforderungen erfüllen zu können.

Zurück zum Corpus Callosum, der „Verbindungsstraße“. Ist sie voll ausgebildet, laufen in einer Sekunde 4 Millliarden Botschaften über die etwa 200 Millionen Nervenfasern des Balkens.

Die Verbindung funktioniert um so besser, je stärker die Myelinschicht um die Nervenfortsätze ist. Das Myelin ist die Markscheide, eine Schicht um die Nervenfortsätze. Sie ermöglicht, den Impuls im Nerv schneller fortzuleiten bzw. weiterzugeben.

Für den Balken gilt ebenfalls: die Verarbeitung zwischen den beiden Hälften und dem restlichen Gehirn läuft schneller, wenn viel Myelin um die Fortsätze ist: die vielfältige und schnelle Vernetzung ist das Beste.


Gute Bewegung macht die Bahn frei...

Alle Übungen, die die Mittellinie des Körpers kreuzen, unterstützen die Verbindung zwischen den Gehirnhälften. Sie aktivieren beide Seiten des Körpers gleichmäßig, und schließen die koordinierte Bewegung beider Augen, Ohren, Hände und Füße sowie der Balance und der Rumpfmuskeln mit ein. Wenn beide Augen, Ohren, Hände und Füße gleichermaßen eingesetzt werden, entwickelt sich der Balken sehr viel vollständiger. Es verbessern sich die kognitiven Funktionen, und das Lernen fällt leichter. Kognitiv: alles was das Gebiet der Wahrnehmung betrifft. Denken, erkennen, erinnern etc.

Und das geschieht nicht nur in der Kindheit, sondern auch beim Erwachsenen und im Alter. Das Gehirn ist immer zu neuen Verknüpfungen fähig – es braucht nur die Anregung!!!

Inzwischen ist es nachgewiesen, dass Muskelaktivitäten und speziell koordinierte Bewegungen die Produktion von Neutrophinen stimulieren. Das sind natürliche Stoffe, die das Wachstum der Nervenzellen anregen und die Anzahl der neuralen Verbindungen im Gehirn vermehren.

Erst seit kurzem ist bekannt, dass zwei Bereiche im Gehirn, das Basalganglion und das Kleinhirn, denen man bisher nur die Steuerung von Muskelbewegungen zuschrieb, auch für die Koordination von Denken wichtig sind.

Also:  Bewegung macht nicht nur fit, sondern auch KLUG !!!

Mehr zu diesem Thema bei z.B. „Bewegung, das Tor zum Lernen“ von Carla Hannaford

Text: Jutta Koch
ewto